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Energieverbräuche sichtbar machen und Effizienzpotenziale im Betrieb erschließen
Prozessmesstechnik wird zum Schlüssel für die Chemieagenda 2045
Donnerstag, 14. Mai 2026
| Redaktion
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Prozessmesstechnik: Mit der Chemieagenda 2045 setzt die Bundesregierung ein starkes Signal für die Zukunft der Chemieindustrie. Damit Entlastung und langfristiger Wandel ineinandergreifen, braucht es jedoch mehr als politische Rahmenbedingungen
Mit der Chemieagenda 2045 setzt die Bundesregierung ein starkes Signal für die Zukunft der Chemieindustrie. Damit Entlastung und langfristiger Wandel ineinandergreifen, braucht es jedoch mehr als politische Rahmenbedingungen, Bild: Endress+Hauser

Mit der Chemieagenda 2045 will die Bundesregierung die energieintensive Chemieindustrie fit für die Zukunft machen. Neben kurzfristigen Entlastungen stehen dabei langfristige Transformationsziele wie Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Wettbewerbsfähigkeit im Fokus. Damit diese Ziele in der industriellen Praxis umgesetzt werden können, gewinnt die Prozessmesstechnik zunehmend an Bedeutung. Präzise Messdaten schaffen Transparenz über Energie- und Stoffströme, helfen bei der Emissionskontrolle und machen Effizienzpotenziale in chemischen Prozessen sichtbar.

Chemieagenda 2045 erhöht den Druck auf energieintensive Prozesse

Die Chemieindustrie zählt zu den energieintensivsten Branchen Deutschlands. Hohe Energiepreise, regulatorische Vorgaben und internationaler Wettbewerbsdruck belasten Unternehmen seit Jahren erheblich. Mit der Chemieagenda 2045 versucht die Bundesregierung, den Strukturwandel gezielt zu begleiten. Kurzfristige Maßnahmen wie ein subventionierter Industriestrompreis oder erweiterte Strompreiskompensationen sollen Entlastung schaffen. Gleichzeitig stehen langfristige Ziele wie die Reform des Emissionshandels, Investitionen in Innovationen und der Aufbau klimaneutraler Produktionsprozesse im Mittelpunkt. Für Unternehmen bedeutet das: Energieverbrauch und CO2-Emissionen werden zunehmend zu wirtschaftlichen Faktoren, die über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

Prozessmesstechnik schafft Transparenz bei Energie- und Stoffströmen

CO2-Emissionen werden in industriellen Anlagen über Energieeinsatz und Stoffströme ermittelt. Damit steigt die Bedeutung präziser Prozessdaten deutlich an. Je höher die Kosten für Emissionszertifikate steigen, desto wichtiger wird die genaue Erfassung von Verbräuchen und Prozesszuständen. Unternehmen, die ihre Energie- und Stoffströme transparent überwachen, können Emissionen gezielter steuern und Effizienzpotenziale besser ausschöpfen. Die Prozessmesstechnik entwickelt sich dadurch von einer klassischen Kontrollfunktion zu einem strategischen Instrument für den wirtschaftlichen Anlagenbetrieb.

Kohlenstoffdioxid stellt hohe Anforderungen an Messtechnik

Die Erfassung von CO2-Strömen ist technisch anspruchsvoll. Abhängig von Druck und Temperatur verändert Kohlendioxid seine physikalischen Eigenschaften teilweise sehr stark. Besonders kritisch sind Bereiche nahe des kritischen Punkts, in denen CO2 weder eindeutig gasförmig noch flüssig ist. Für die Prozessmesstechnik entstehen dadurch komplexe Anforderungen an Genauigkeit und Stabilität der Messsysteme. Schon geringe Messabweichungen können bei großen CO2-Mengen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. In industriellen Anlagen summieren sich kleine Fehler schnell zu hohen Kosten.

Coriolis-Technologie unterstützt präzise Prozessmesstechnik

Vor diesem Hintergrund hat sich die Coriolis-Durchflussmessung von Endress+Hauser als wichtige Technologie etabliert. Das Verfahren ermöglicht eine direkte Bestimmung des Massendurchflusses und arbeitet weitgehend unabhängig von Druck, Temperatur oder Aggregatzustand. Auch komplexe Strömungszustände lassen sich mit dieser Technologie erfassen und teilweise kompensieren. Dadurch eignet sich die Coriolis-Messtechnik besonders für anspruchsvolle Anwendungen in der Chemieindustrie.

Digitale Prozessmesstechnik liefert Daten in Echtzeit

Mit steigenden Anforderungen an Energieeffizienz und Emissionskontrolle verändert sich auch die Rolle moderner Messsysteme. Prozessmesstechnik liefert heute nicht mehr nur Einzelwerte, sondern wird zunehmend zur zentralen Informationsquelle im Betrieb. Durch integrierte Selbstüberwachungssysteme lassen sich Abweichungen frühzeitig erkennen. Diagnosedaten stehen in Echtzeit zur Verfügung und können direkt in digitale Leitsysteme eingebunden werden. So entsteht Transparenz über Energie- und Stoffströme und damit die Grundlage für operative Entscheidungen zur Effizienzsteigerung.

Prozessmesstechnik macht versteckte Einsparpotenziale sichtbar

Viele Energieverluste entstehen in Bereichen, die im laufenden Betrieb häufig wenig Beachtung finden. Dazu zählen beispielsweise Dampfsysteme, Druckluftanlagen oder Heiz- und Kühlsysteme im Teillastbetrieb. Durch präzise Messungen und die systematische Auswertung von Prozessdaten lassen sich solche Schwachstellen identifizieren und gezielt optimieren. In der Praxis können dadurch erhebliche Energieeinsparungen erzielt werden, häufig mit Einsparungen von bis zu 15 Prozent. Die Prozessmesstechnik wird damit zu einem zentralen Baustein der industriellen Transformation. Sie verbindet politische Zielsetzungen mit operativer Praxis und schafft die Grundlage für mehr Energieeffizienz und Wettbewerbsfähigkeit in der Chemieindustrie.

Autor

Andreas Leppert
Industry Manager Chemical & Oil, Endress+Hauser

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