Die Anforderungen an die kommunale Abwasserbehandlung steigen europaweit deutlich. Mit der verschärften EU-Richtlinie zur Behandlung kommunaler Abwässer rückt insbesondere die Entfernung von Mikroschadstoffen stärker in den Fokus. Air Liquide und Nijhuis Saur Industries reagieren darauf mit einer neuen Partnerschaft zur Vermarktung der „Ozone Strong Water“-Technologie in den Benelux-Ländern und im Vereinigten Königreich. Ziel ist es, Wasseraufbereitungsanlagen eine effizientere und platzsparende Lösung zur Entfernung von Arzneimittelrückständen und chemischen Verunreinigungen bereitzustellen.
Air Liquide setzt auf neue Ozontechnologie für die Wasseraufbereitung
Nijhuis Saur Industries, Teil der Saur Group, und Air Liquide haben eine Vereinbarung über die gemeinsame Vermarktung der „Ozone Strong Water“-Technologie unterzeichnet. Das Verfahren wurde speziell für die Entfernung von Mikroschadstoffen aus kommunalem Abwasser entwickelt und soll den steigenden regulatorischen Anforderungen in Europa gerecht werden.
Die überarbeitete EU-Richtlinie verlangt künftig die Entfernung von mindestens 80 Prozent der Mikroschadstoffe durch eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe. Gleichzeitig verpflichtet das sogenannte Verursacherprinzip Pharma- und Kosmetikunternehmen dazu, einen Großteil der entstehenden Behandlungskosten zu tragen. Dadurch steigt der Bedarf an wirtschaftlichen und leistungsfähigen Verfahren zur Mikroschadstoffentfernung deutlich.
Ozonverfahren reduziert Platzbedarf und Energieeinsatz
Im Unterschied zu klassischen Ozonanlagen trennt die „Ozone Strong Water“-Technologie die Schritte Stoffübergang, Mischung und Reaktion voneinander. Dadurch erreicht das System laut Unternehmen einen Ozon-Transfer von mehr als 95 Prozent. Herkömmliche Systeme arbeiten meist mit Venturi-Injektoren oder Diffusoren innerhalb eines gemeinsamen Reaktors. Das erfordert vergleichsweise lange hydraulische Verweilzeiten von bis zu 20 Minuten und entsprechend große Anlagenflächen. Die von Air Liquide entwickelte Technologie soll dagegen eine kompaktere Bauweise ermöglichen und die Gesamtinvestitionen gegenüber konventionellen Lösungen um rund 20 Prozent senken. Gleichzeitig reduziert sich der Energiebedarf der Anlage. Die modulare Auslegung erleichtert zudem die Integration in bestehende Wasseraufbereitungsanlagen.
Air Liquide stärkt Position im Markt für Mikroschadstoffentfernung
Im Rahmen der Kooperation bleibt Air Liquide Eigentümer und Patentinhaber der Technologie. Nijhuis Saur Industries übernimmt die Rolle des Produktions- und Systemintegrationspartners für die Benelux-Region und das Vereinigte Königreich. Die Technologie wird bei Nijhuis Saur Industries künftig in das Portfolio „Micro Resolve“ integriert. Dieses bündelt Verfahren zur Entfernung von Mikroschadstoffen und unterstützt Betreiber dabei, strengere Einleitungs- und Wiederverwendungsstandards einzuhalten.
„Durch die Kombination innovativer Ozontechnologie mit industrieller Produktion und Systemintegrations-Expertise fügen wir unserem ,Micro Resolve'-Portfolio eine praktische und zukunftssichere Lösung für die Entfernung von Mikroschadstoffen hinzu“, erklärt Eddie Broeders, Business Development Manager Municipal Market bei Nijhuis Saur Industries. Auch Air Liquide sieht in der Partnerschaft einen wichtigen Schritt für den Ausbau nachhaltiger Wassertechnologien. „Die Partnerschaft mit Nijhuis Saur Industries ermöglicht es uns, die ‚Ozone Strong Water‘-Technologie zur Entfernung von Mikroschadstoffen in den Benelux-Ländern und dem Vereinigten Königreich einzusetzen“, ergänzt Bertrand Masselot, Vice President North Central Europe für die Business Line Industrial Merchant bei Air Liquide. „Durch die Maximierung der Ozon-Effizienz ermöglichen wir unseren Kunden, Wasserstandards mit reduziertem Energie- und Platzbedarf zu erfüllen. Dies ist ein klares Beispiel für die Kombination von Innovation und Umweltschutz. Gemeinsam bieten wir eine zukunftssichere Lösung für den Wasserkreislauf.“
Mikroschadstoffe erhöhen den Innovationsdruck in der Wassertechnik
Die Entfernung von Mikroschadstoffen entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Zukunftsthema der Wasserwirtschaft. Neben Arzneimittelrückständen stehen auch Industriechemikalien, Kosmetikbestandteile und andere schwer abbaubare Stoffe im Fokus regulatorischer Vorgaben. Mit der Partnerschaft wollen Air Liquide und Nijhuis Saur Industries eine Lösung anbieten, die technische Effizienz, geringeren Ressourcenverbrauch und eine bessere Integration in bestehende Infrastrukturen kombiniert. Damit adressieren beide Unternehmen einen Markt, der durch neue Umweltauflagen und steigende Anforderungen an die Wasserqualität weiter wachsen dürfte.