Nach rund 20 Jahren Verhandlungen haben die EU und Indien schließlich ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Dieses zielt darauf ab, den Handel zwischen den Wirtschafträumen signifikant zu intensivieren. So sollen Zölle insbesondere auf Industriegüter, Pharma- und Chemieprodukte sowie Maschinen schrittweise deutlich gesenkt werden. Neben den deutschen Autobauern und Zulieferern profitieren vor allem Maschinen- und Anlagenbauer, die derzeit noch Zollgebühren von bis zu 44 Prozent zahlen. Auch die Zölle in Höhe von 22 Prozent auf Chemikalien sowie elf Prozent auf Pharmazeutika sollen weitgehend beseitigt werden.
Deutsche Industrieverbände wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sowie der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sprechen von einer längst überfälligen Entscheidung, die jetzt rasch ratifiziert werden müsse.
VCI erwartet dank Freihandelsabkommen Stärkung für Chemie- und Pharmabranche
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI, lobt das Handelsabkommen ausdrücklich: „Das Freihandelsabkommen mit Indien ist ein Meilenstein für Europas Industrie und resilientere Lieferketten. Für die Chemie- und Pharmabranche wird damit der Zugang zu einem der zentralen Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte strategisch gestärkt. Die Kommission hat damit ihre Hausaufgaben gemacht. Sie setzt damit ein wichtiges Zeichen, in der Handelspolitik auf Partnerschaften zu setzen. Nun müssen der Europäische Rat und das Europäische Parlament das Abkommen in trockene Tücher bringen. Ein Drama wie beim EU-Mercosur-Abkommen darf sich nicht wiederholen.“
Tatsächlich gewinnt der Handel mit Indien seit Jahren an Bedeutung. Deutschland exportierte 2024 chemisch-pharmazeutische Produkte im Wert von 2,6 Milliarden Euro nach Indien. Importe beliefen sich auf 2,8 Milliarden Euro. Dennoch liegt der Anteil Indiens am deutschen Außenhandel mit Chemie- und Pharmaprodukten derzeit unter zwei Prozent. Das neue Abkommen könnte den Marktanteil deutlich steigern.
Maschinenbau feiert neuen Schub durch Freihandelsabkommen
Auch der Maschinenbau sieht in der Einigung ein positives Signal. VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann kommentiert: „Der exportorientierte Maschinen- und Anlagenbau braucht regelbasierten Handel wie die Luft zum Atmen. Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU bringt dringend benötigten Sauerstoff in eine Welt, die zunehmend von Handelskonflikten dominiert wird.“ Er ergänzt: „Die EU hat geliefert. Mit dem Abkommen setzt Europa ein unübersehbares Signal für regelbasierten Handel und gegen das Recht des Stärkeren. Heute ist ein Feiertag für den exportorientierten Maschinenbau.“ 2024 exportierte Deutschland Maschinen im Wert von über 4,3 Milliarden Euro nach Indien. Der Abbau von durchschnittlich 7,5 Prozent Zöllen sowie technischer Handelshemmnisse bringt laut VDMA einen dringend benötigten Wettbewerbsvorteil.
Freihandelsabkommen mit Indien kommt zur richtigen Zeit
Dr. Dirk Jandura, Präsident des BGA, sieht das Abkommen als wichtigen Schritt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten: „Die Einigung mit Indien auf dieses so wichtige Abkommen kommt genau zur richtigen Zeit, endlich geht es einen Schritt voran. Nun hat die Kommission eine zweite Chance. Sie kann zeigen, dass sie die schwierige wirtschaftliche und weltpolitische Situation verstanden hat. Freihandelsabkommen helfen Europa, in dieser Lage besser zu bestehen. Jetzt darf dieses Abkommen nicht erneut wieder torpediert und mit Vorschriften überfrachtet werden. Es muss schnellstmöglich ratifiziert werden.“
„Ein Lichtblick nach den Jahren der Rezession“ für Mittelstand
Besonders mittelständische Unternehmen in Maschinenbau, Chemie und Pharma würden von sinkenden Zöllen profitieren. Jandura betont: „Das ist nicht die Lösung all unserer Probleme, aber ein Lichtblick nach den Jahren der Rezession. Wenn wir das Abkommen jetzt zügig umsetzen, kann das etwas Druck aus den turbulenten transatlantischen Handelsbeziehungen nehmen.“