Hexagon analysiert versteckte Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit
Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil für Europas Chemieindustrie
Montag, 26. Januar 2026
| Redaktion
Teilen auf:
Vier Entwicklungen prägen 2026 die Wettbewerbsfähigkeit der Chemieindustrie: Transparenz bei M&A-Prozessen, regulatorische Umbrüche durch PFAS- und Mikroplastik-Vorgaben, industrielle Anwendungen von Zirkularität und CO₂-Nutzung sowie die gezielte Digitalisierung von Prozessen und Projekten.
Vier Entwicklungen prägen 2026 die Wettbewerbsfähigkeit der Chemieindustrie: Transparenz bei M&A-Prozessen, regulatorische Umbrüche durch PFAS- und Mikroplastik-Vorgaben, industrielle Anwendungen von Zirkularität und CO₂-Nutzung sowie die gezielte Digitalisierung von Prozessen und Projekten, Bild: Adobe Stocks / chalermchai k

Was kommt 2026 auf die Chemiebranche zu? Simon Lebherz aus dem Bereich Asset Lifecycle Intelligence Division bei Hexagon zeigt vier Trends auf. Denn die Chemieindustrie in Europa steht Anfang 2026 unter zunehmendem Druck. Hohe Energiepreise, regulatorische Vorgaben und eine schwache Nachfrage belasten Margen und Investitionen. Doch in diesem herausfordernden Umfeld eröffnet die Digitalisierung neue Chancen, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche gezielt zu stärken. Vier Entwicklungen zeigen, wo Potenziale liegen.

M&A-Aktivitäten: Transparenz wird zur strategischen Ressource

Der Rückzug großer Konzerne wie Sabic, Dow oder Lyondellbasell aus Europa macht strukturelle Schwächen sichtbar. In einem schwierigen Marktumfeld steigt die Bedeutung belastbarer Daten. Anlagen, deren Zustand, Leistung und Compliance eindeutig nachgewiesen sind, erzielen im Verkaufsprozess höhere Bewertungen. Operative Transparenz, etwa durch saubere EAM- und APM-Daten, reduziert Risiken und beschleunigt die Due Diligence. Käufer setzen zunehmend auf digitale Modernisierung nach dem Erwerb, um durch „Lift-and-Shift“-Strategien Werte zu heben.

Chemieindustrie: Regulatorik verändert Investitionsentscheidungen

Das geplante PFAS-Verbot der EU und verschärfte Reach-Regelungen verschieben die Investitionslogik. Unternehmen müssen Rezepturen anpassen und Produktionsprozesse umbauen, um fluorfreie Alternativen zu ermöglichen. Ab August 2026 ist der Einsatz von PFAS in Lebensmittelverpackungen untersagt. Gleichzeitig greifen neue Pflichten zur Mengenmeldung und Entsorgung von Mikroplastik. Die Digitalisierung hilft, regulatorische Anforderungen effizient umzusetzen und gleichzeitig neue Märkte, beispielsweise etwa für biologisch abbaubare Materialien, zu erschließen.

Zirkularität und CO2-Nutzung im industriellen Maßstab

Die zunehmende Verteuerung fossiler Rohstoffe durch den EU-Emissionshandel und den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) stärkt Technologien wie chemisches Recycling oder Carbon Capture and Utilization (CCUS). Digitale Zwillinge simulieren dabei komplexe Kreislaufprozesse und optimieren Prozessdesigns. Rückverfolgbarkeitsanforderungen wie durch den Digital Product Passport machen standardisierte, interoperable Datenstrukturen notwendig. Unternehmen, die frühzeitig digitale Werkzeuge für Lifecycle-Analysen und Prozesssteuerung einsetzen, sichern sich Vorteile.

Digitalisierung Chemieindustrie: Von Potenzial zur Umsetzung

Laut einer Hexagon-Studie von 2025 nennen 75 Prozent der Chemieunternehmen in Europa, Nahost, Indien und Afrika veraltete Daten und fehlende Informationen als zentrale Hemmnisse. Papierbasierte Prozesse sind nach wie vor weit verbreitet. Gleichzeitig kommt künstliche Intelligenz nur zögerlich zum Einsatz. Dabei zeigen Praxisbeispiele, dass sich ungeplante Stillstände durch KI um bis zu 20 Prozent reduzieren lassen.

Digitalisierung in der Chemieindustrie ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Steigerung der Effizienz und Planbarkeit. KI-gestützte Systeme wie Enterprise Project Performance können Investitionsprojekte stabilisieren und helfen, Zeit- und Kostenpläne einzuhalten. Voraussetzung dafür ist eine durchgängige Datenverfügbarkeit, ermöglicht durch cloud-native Plattformen, die Betrieb und Projekte miteinander verknüpfen. 2026 wird damit zum Prüfstein für die digitale Leistungsfähigkeit der europäischen Chemiebranche.

Autor

Simon Lebherz
Sales Director, Asset Lifecycle Intelligence, Hexagon

Auch interessant für Sie

Ist Industrie 4.0 gescheitert? Der SEF hat eine klare Antwort: Nein, an der Digitalisierung in der Industrie führt kein Weg vorbei.
Nils Janus, Head of Advanced Analytics bei Covestro
Dr. Jochen Klöckler, Vorstandsvorsitzender Deutsche Messe
Datenanalyse von Rohstoffströmen mit Aveva-Digitalisierungslösungen
Das neu erworbene Wissen direkt in die Praxis umsetzen: Das ist in den Workshops auf dem Automatisierungstreff möglich.
R. Stahl rückte im Oktober 2025 digitale Zwillinge und ihren Einsatz in der Prozessindustrie in den Mittelpunkt

 

 

Nichts mehr verpassen: Der chemieindustrie-online.de Newsletter präsentiert regelmäßig die Highlights aus der Welt der Chemieindustrie. Ja, ich möchte den chemieindustrie-online.de Newsletter - widerruflich - abonnieren:



Bitte bestätigen Sie die Newsletter-Anmeldung in der Email, die Sie von uns in Kürze erhalten. Wir gewährleisten die Sicherheit Ihrer Daten nach den aktuellen Datenschutzgesetzen. Den Newsletter können Sie jederzeit mit einem Mausklick wieder abbestellen (= Widerruf der Einwilligung).