Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie bleibt im September 2025 deutlich angespannt. Weder wirtschaftlich noch politisch ist eine Trendwende erkennbar. Drei Jahre in Folge bewerten die Unternehmen ihre Lage als unbefriedigend, zuletzt mit erneut fallender Tendenz. Auch die Erwartungen an die künftige Entwicklung sind wieder eingetrübt. Eine konjunkturelle Erholung wird frühestens im kommenden Jahr erwartet.
Chemieproduktion und Aufträge deutlich rückläufig
Die aktuellen Wirtschaftsdaten verdeutlichen den Ernst der Lage: Die Chemieproduktion lag im Juli 2025 rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert, der Auftragseingang sank sogar um zehn Prozent. Besonders im Inland macht sich die konjunkturelle Schwäche bemerkbar, da viele Abnehmerbranchen ihre Produktion weiter zurückfahren. Der Inlandsumsatz mit Chemikalien bleibt deutlich hinter dem Vorjahresniveau.
Chemieindustrie verliert an internationaler Wettbewerbsfähigkeit
Auch im Auslandsgeschäft sieht sich die deutsche Chemieindustrie erheblichen Herausforderungen ausgesetzt. Die Wettbewerbsposition ist schwach, hinzu kommen wachsende Belastungen durch Zölle und regulatorische Anforderungen. Damit verschärft sich der Druck auf Erzeugerpreise, die zuletzt erneut nachgaben.
VCI fordert politische Kurskorrektur für die Chemieindustrie
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sieht dringenden politischen Handlungsbedarf. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup warnt: „Die Industrienation Deutschland hat heftig Schlagseite. Aber noch immer wird im Maschinenraum der Republik Wasser geschöpft, statt Lecks abzudichten. Berlin riskiert den Untergang zentraler Branchen. Fatal, denn die Industrie sichert unseren Wohlstand. Der Kanzler hat eine Kurskorrektur und weniger Belastungen versprochen. Wir nehmen ihn beim Wort. Flickschusterei reicht nicht mehr. Jetzt gilt es: Liefert zügig bei deutlicher Reduktion von Stromkosten, Monsterbürokratie und irrer Regulation aus Brüssel. Wenn die Politik jetzt nicht handelt, verlieren wir nicht nur Anlagen und Arbeitsplätze. Die industrielle Zukunft steht auf dem Spiel.“
Appell an Berlin und Brüssel
Um Investitionen zu mobilisieren und die Konjunktur zu beleben, fordert der VCI konkrete wirtschaftspolitische Signale. Der sogenannte „Herbst der Reformen“ darf aus Sicht der Branche nicht ergebnislos in eine politische Winterpause münden. Deutschland und Europa müssen nun konsequent auf Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Innovationskraft setzen, um die industrielle Basis langfristig zu sichern.