Wie kann die Chemieindustrie ihre Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft erhalten und zugleich innerhalb planetarer Grenzen wirtschaften? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Konferenz „Spotlights 2026: Shaping the Chemical Transition Together“, die das Umweltbundesamt (UBA) und das International Sustainable Chemistry Collaborative Centre („ISC3“) am 14. und 15. Oktober 2026 am UBA-Hauptsitz in Dessau-Roßlau veranstalten. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Rohstoff- und Energiewende, Kreislaufwirtschaft und ein Chemikalien-Management, das negative Auswirkungen auf Gesundheit und Ökosysteme reduziert. Gleichzeitig geht es um die Voraussetzungen dafür, neue Technologien und Verfahren schneller von Forschung und Pilotierung in die industrielle Anwendung zu überführen.
Chemieindustrie zwischen Wettbewerb und planetaren Grenzen
Die europäische Chemieindustrie steht vor mehreren miteinander verbundenen Herausforderungen. Unternehmen müssen sich im internationalen Wettbewerb behaupten, Investitionen finanzieren und neue Technologien in den industriellen Maßstab übertragen. Parallel sollen Wertschöpfungsketten zirkulärer werden, die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen sinken und Umwelt- sowie Gesundheitsbelastungen reduziert werden. Die Konferenz soll unterschiedliche Perspektiven auf diese Aufgaben zusammenführen. Diskutiert werden neben Innovationen und Investitionen auch neue Geschäftsmodelle sowie wirtschaftliche, politische und regulatorische Rahmenbedingungen.
„Die Einhaltung planetarer Grenzen und wirtschaftlicher Stärke sind kein Widerspruch. Strategisches, ökonomisches und ökologisches Neu-Denken, das von innovativen Unternehmen vorangetrieben wird und klug gestaltet ist, kann zum Wettbewerbsvorteil für Deutschland und Europa werden. Wir müssen die Transformation der Chemieindustrie jetzt aktiv gestalten“, sagt Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes.
Innovationen schneller in die Chemieindustrie überführen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie sich neue Ansätze schneller in die industrielle Praxis übertragen lassen. Dabei spielen neben Forschung und Entwicklung auch Finanzierung, regulatorische Vorgaben und geeignete Voraussetzungen für die Skalierung eine Rolle. „Nachhaltige Chemie ist ein starker Motor für die Innovationen, die zur Förderung des globalen Wandels erforderlich sind. Der Schlüssel liegt darin, vielversprechende Lösungen schneller umzusetzen und in die Praxis und auf den Markt zu bringen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen den Akteuren, die Innovationen entwickeln, finanzieren, regulieren und umsetzen“, ergänzt Dr. Thomas Wanner, Managing Director des „ISC3“.
Erster Konferenztag setzt strategischen Rahmen
Am ersten Veranstaltungstag stehen die langfristige Ausrichtung und die Rahmenbedingungen für die Transformation im Mittelpunkt. UBA-Präsident Prof. Dr. Dirk Messner eröffnet die Konferenz. An den anschließenden Diskussionen beteiligen sich unter anderem Prof. Dr. Ricarda Winkelmann vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie, Dr. Volker Strauß vom Umweltbundesamt, Marco Mensink, Director General von Cefic, und Alexander Bercht von der IGBCE.
Weitere Sessions behandeln Innovationen, Investitionen und Geschäftsmodelle. Zudem geht es um Voraussetzungen für Kreislaufwirtschaft, Treibhausgasneutralität und nachhaltiges Chemikalienmanagement sowie um die Überführung neuer Lösungen in industrielle Anwendungen. Angekündigt sind Vertreter der Europäischen Kommission, von Chemieunternehmen und Branchenverbänden sowie aus Wissenschaft, Finanzwirtschaft und Zivilgesellschaft.
Chemieindustrie diskutiert sechs Handlungsfelder
Am zweiten Konferenztag steht die Beteiligung der Teilnehmer im Mittelpunkt. In sechs Breakout-Gruppen werden unterschiedliche Handlungsfelder diskutiert. Dazu zählen Innovationen und künftige Geschäftsmodelle, die Finanzierung der Transformation sowie Kunststoffe und Kreislaufwirtschaft. Weitere Gruppen beschäftigen sich mit sicheren und nachhaltigen Konsumprodukten am Beispiel Elektronik, möglichen Anpassungen der Regulierung und der Ausgestaltung des Zero-Pollution-Ziels der Europäischen Kommission. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden anschließend im Plenum zusammengeführt. Dabei sollen sowohl gemeinsame Interessen als auch Zielkonflikte und mögliche weitere Handlungsansätze sichtbar werden.
Austausch über die Zukunft der europäischen Chemieindustrie
„Spotlights 2026“ ist als Ausgangspunkt für einen weiteren Austausch zwischen den beteiligten Akteuren angelegt. Erkenntnisse aus den Sessions und Arbeitsgruppen sollen relevante Handlungsfelder und unterschiedliche Positionen identifizieren und eine Grundlage für mögliche Folgeaktivitäten schaffen. Ziel ist eine gemeinsame Orientierung für die weitere Entwicklung der europäischen Chemieindustrie bis 2050. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Kreislaufwirtschaft und geringere Umweltbelastungen miteinander verbinden lassen. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei, die Zahl der Plätze ist begrenzt. Anmeldung erfolgt über die Website des Bundesumweltamtes.