Die Chemie- und Pharmaindustrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Hohe Energiepreise, zunehmende Regulierung und der internationale Wettbewerb setzen den Unternehmen zunehmend zu. Welche Maßnahmen notwendig sind, um den Industriestandort Hessen und Deutschland langfristig wettbewerbsfähig zu halten, war das zentrale Thema der diesjährigen Mitgliederversammlung des VCI Hessen. Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verbänden diskutierten über die Zukunft der Branche und wählten turnusgemäß einen neuen Vorstand.
VCI Hessenb fordert wettbewerbsfähige Standortbedingungen
In seinem Grußwort unterstrich Kaweh Mansoori, stellvertretender Ministerpräsident des Landes Hessen, die Bedeutung der Chemie- und Pharmaindustrie für den Wirtschaftsstandort. Man habe dafür in Hessen das Industriepaket geschnürt und sorge für schnellere Verfahren, mehr Raum für Innovation und verlässliche Investitionsbedingungen. Nach Angaben des VCI erwirtschaftet die Chemie- und Pharmaindustrie mehr als ein Viertel des gesamten Industrieumsatzes in Hessen und zählt damit zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen des Bundeslandes.
Dr. Joachim Kreysing, Vorstandsvorsitzender des VCI Hessen, machte deutlich, dass die Branche nicht nur mit einer konjunkturellen Schwächephase, sondern mit grundlegenden strukturellen Herausforderungen konfrontiert sei. „Die Chemie- und Pharmaindustrie steht in Deutschland unter erheblichem Druck. Hohe Energie- und Standortkosten, zunehmende Regulierung und ein intensiver internationaler Wettbewerb belasten die Unternehmen. Wenn wir industrielle Wertschöpfung, Innovation und Arbeitsplätze sichern wollen, muss die Politik vom Reden ins Handeln kommen. Wir brauchen wettbewerbsfähige Energiepreise, deutlich weniger Bürokratie und die Durchsetzungsfähigkeit von strukturellen Veränderungen.“
Politik und Wirtschaft setzen auf gemeinsamen Dialog
Für Sula Lockl, Geschäftsführerin des VCI Hessen, lässt sich die Zukunft des Industriestandorts nur gemeinsam gestalten. „Wirtschaft und Politik sitzen im selben Boot und kommen nur voran, wenn beide Seiten gut abgestimmt und mit dem Ziel im Blick an die Arbeit gehen. Ein zukunftsfähiger Standort entsteht im Zusammenspiel. Unsere Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und zu investieren, dafür müssen die Voraussetzungen jedoch stimmen. Wir stehen für den partnerschaftlichen Dialog weiterhin bereit.“
Im Anschluss diskutierten Vertreter aus Industrie und Politik über die Perspektiven des Standorts Deutschland. Grundlage war die VCI-Studie „Deutschland 2045 - Szenarien für das Innovationsumfeld der Chemie, Pharma und Biotechnologie“. Die Studie beschreibt verschiedene Entwicklungspfade für den Industriestandort und zeigt auf, welche Rolle die Chemie-, Pharma- und Biotechnologiebranche künftig spielen kann. An der Diskussion beteiligten sich Heiko Kasseckert, Mitglied des Hessischen Landtags, Martin Kersten von G.E. Habich’s Söhne, Kerstin Oberhaus von Evonik sowie Mathias Wagner, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag.
VCI Hessen wählt neuen Vorstand
Neben den fachlichen Diskussionen stand die turnusmäßige Vorstandswahl auf der Tagesordnung. Neun Mitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt. Neu in den Vorstand wurden Dr. Heidi Grön von Evonik sowie Matthias Bürk von Merck gewählt. Sula Lockl dankte den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Dr. Claudine Mollenkopf und Dr. Robert Nass für ihr langjähriges Engagement und ihren Einsatz für den Verband.
Wettbewerbsfähigkeit bleibt laut VCI Hessen zentrale Herausforderung
Die Mitgliederversammlung machte deutlich, dass die Unternehmen bereit sind, den Wandel der Branche aktiv mitzugestalten und in Innovationen zu investieren. Voraussetzung dafür seien jedoch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Aus Sicht des VCI Hessen gehören dazu insbesondere bezahlbare Energie, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Nur so könne Hessen seine Position als bedeutender Chemie- und Pharmastandort langfristig sichern und weiter ausbauen.