Während die Gewerkschaft IGBCE in der neuen Runde der regionalen Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Pharma- und Chemieindustrie sowie der Kunststoffverarbeitung sichere Arbeitsplätze und Entgeltsteigerungen fordert, sehen sich die Arbeitgeber mit der schwersten Strukturkrise seit Jahrzehnten konfrontiert. Sie fordern von der Belegschaft einen tarifpolitischen Kurswechsel. Denn die Arbeitgeber warnen vor zusätzlichen Kostenbelastungen in einem verschärften weltweiten Wettbewerbsumfeld.
Tarifverhandlungen in Nordrhein, Hessen und Rheinland-Pfalz gehen auf Bundesebene weiter
So ist die Auftaktveranstaltung der Tarifrunde Chemie 2026 in Nordrhein am 14. Januar ohne Einigung zu Ende gegangen. In Köln konnten sich IGBCE und Arbeitgeber nicht auf ein Ergebnis verständigen. Die Arbeitgeberseite erteilte den Forderungen der Gewerkschaft nach einer spürbaren Lohnsteigerung und verbindlichen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eine klare Absage.
Hessen: chemisch-pharmazeutische Industrie unter massivem wirtschaftlichem Druck
Auch die erste Runde der Tarifverhandlungen in Hessen blieb ergebnislos. Die chemisch-pharmazeutische Industrie startet in diese Tarifrunde unter massivem wirtschaftlichem Druck. Holger Kison, Verhandlungsführer der hessischen Chemie-Arbeitgeber, betont, dass die Branche derzeit ihre schwerste Phase seit Jahrzehnten erlebe. Wachstum oder Aufschwung seien nicht in Sicht, weshalb es keinen Verteilungsspielraum gebe.
Laut Einschätzung der Arbeitgeber konnte sich die Hoffnung auf eine Erholung nach der letzten Tarifrunde nicht erfüllen. Die wirtschaftliche Entwicklung bleibe rückläufig. Deshalb müsse sich die Tarifpolitik stärker an der betrieblichen Realität orientieren. Den Forderungen der Gewerkschaft nach Entgelterhöhungen und Instrumenten zur Beschäftigungssicherung steht somit eine klare Warnung der Arbeitgeber vor weiteren Belastungen gegenüber.
Tarifverhandlungen in Rheinland-Pfalz: schwierigste Situation seit Jahrzehnten
Ebenso kamen am 16. Januar 2026 Arbeitgeber und Gewerkschaften in Rheinland-Pfalz auf keinen gemeinsamen Nenner. Michael Müller, Verhandlungsführer der Chemie-Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz, machte deutlich, dass sich die Branche in der schwierigsten Situation seit Jahrzehnten befinde und tarifpolitische Entscheidungen diese Realität berücksichtigen müssten.
Die drei regionalen Tarifverhandlungen wurden ohne Lösungen und Kompromisse beendet. Eine Fortsetzung der Verhandlungen ist ab dem 03. Februar 2023 auf Bundesebene vorgesehen. Weitere Verhandlungsrunden der anderen Regionalverbände sind wie folgt geplant:
- Baden-Württemberg: 19. Januar 2026
- Nord & Nordost: 20. Januar 2026
- Westphalen: 21. Januar 2026
- Bayern: 22. Januar 2026
- Saarland: 23. Januar 2026