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VCI-Quartalsbericht 1/2026
Chemie- und Pharmaindustrie bleibt im ersten Quartal 2026 unter Druck
Montag, 01. Juni 2026
| Redaktion
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Entwicklung der Chemie- und Pharmaproduktion im ersten Quartal 2026
Entwicklung der Chemie- und Pharmaproduktion im ersten Quartal 2026, Bild: VCI

Die Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland ist schwach in das Jahr 2026 gestartet. Zwar zeigten sich bei Umsatz, Chemieproduktion und Erzeugerpreisen vereinzelt positive Signale, von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch keine Rede sein. Hohe Energie-, Rohstoff- und Transportkosten, geopolitische Unsicherheiten sowie eine anhaltend niedrige Kapazitätsauslastung belasten die Branche weiterhin. Besonders die Folgen des Nahostkonflikts verschärfen den Kostendruck und sorgen für Unsicherheit entlang internationaler Lieferketten.

Produktion der Chemie- und Pharmaindustrie entwickelt sich unterschiedlich

Die Produktion der Chemie- und Pharmaindustrie sank im ersten Quartal 2026 saisonbereinigt um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und lag damit knapp sechs Prozent unter dem Vorjahreswert. Ausschlaggebend war vor allem die Entwicklung im Pharmabereich. Dort ging die Produktion um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück und lag 8,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hintergrund sind vor allem Basiseffekte, nachdem Unternehmen im Jahr 2025 aufgrund drohender US-Zölle Produktionsmengen vorgezogen hatten. Die Chemieproduktion entwickelte sich dagegen etwas stabiler und legte gegenüber dem Vorquartal um zwei Prozent zu. Im Jahresvergleich blieb jedoch auch sie mit 4,3 Prozent im Minus. Die Kapazitätsauslastung stieg leicht auf 75,1 Prozent, verharrt damit aber weiterhin deutlich unter einem wirtschaftlich rentablen Niveau.

Geopolitische Risiken belasten die Chemie- und Pharmaindustrie

Die Auswirkungen des Nahostkonflikts prägen die aktuelle Marktsituation zunehmend. Die Sperrung der Straße von Hormus sorgt für steigende Energie-, Rohstoff- und Transportkosten und belastet internationale Lieferketten. Rohöl verteuerte sich im ersten Quartal deutlich und zog auch die Preise für Naphtha, den wichtigsten Rohstoff der chemischen Industrie, nach oben. Gleichzeitig stiegen die Gas- und Strompreise an den Energiemärkten. Viele Unternehmen reagierten darauf mit Vorsichtsbestellungen und dem Aufbau zusätzlicher Lagerbestände. 

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sieht darin jedoch keine nachhaltige Trendwende: „Die Chemie kämpft, Pharma rüstet sich für noch größere Herausforderungen. Wenige stabile Zahlen sind keine Trendwende. Wir sehen keine Aufbruchstimmung, sondern geopolitisches Hamstern. Das ist ein panischer Zwischenpeak, von dem kurzfristig auch Teile der chemischen Industrie profitieren. Die nackte Wahrheit ist: Die Chemie steht weiter unter Dauerstress, belastet durch eine ungezähmte Bürokratie, hohe Kosten und globale Turbulenzen.“

Umsatz steigt leicht, bleibt aber unter Vorjahresniveau

Der Umsatz der Chemie- und Pharmaindustrie erhöhte sich im ersten Quartal saisonbereinigt um 2,1 Prozent auf 50,9 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal ergibt sich jedoch weiterhin ein Rückgang von 5,4 Prozent. Besonders das Inlandsgeschäft entwickelte sich etwas dynamischer und legte um vier Prozent zu. Im Ausland blieb die Situation schwieriger. Der Umsatz außerhalb Deutschlands stieg zwar gegenüber dem Vorquartal leicht an, lag jedoch weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau. Auf vielen internationalen Märkten kämpfen Unternehmen mit Wettbewerbsnachteilen und einer schwachen Nachfrage. Hinzu kommen Unsicherheiten durch geopolitische Entwicklungen und volatile Energiepreise.

Kosten- und Margendruck bleibt hoch

Während sich die Erzeugerpreise stabilisierten und gegenüber dem Vorquartal leicht um 0,2 Prozent anzogen, nahm der Kostendruck deutlich zu. Insbesondere höhere Preise für Rohöl, Naphtha sowie Energie belasten die Unternehmen. Die Möglichkeit, diese Kostensteigerungen vollständig an Kunden weiterzugeben, bleibt in vielen Marktsegmenten begrenzt. Zwar profitierten einzelne Chemiebereiche zuletzt von einer geringeren Importkonkurrenz aus Asien und dem Nahen Osten, insgesamt bleiben die Margen jedoch unter Druck. Die niedrige Kapazitätsauslastung verschärft die Situation zusätzlich und setzt die wirtschaftliche Ertragslage vieler Unternehmen weiter unter Stress.

Chemie- und Pharmaindustrie erwartet keine Erholung im Jahr 2026

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechnet auch für das Gesamtjahr 2026 mit einem schwierigen Marktumfeld. Hohe Produktionskosten, eine schwache Nachfrage, geopolitische Unsicherheiten und steigende Energiepreise dürften die Branche weiterhin belasten. Wolfgang Große Entrup fordert daher entschlossenes politisches Handeln: „Deutschland verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit, wenn Berlin und Brüssel nicht gegensteuern. Auf geopolitische Krisen haben wir wenig Einfluss, auf unsere Standortbedingungen schon.“ Nach Einschätzung des Verbands wird die Produktion der Chemie- und Pharmaindustrie im laufenden Jahr erneut zurückgehen. Zwar könnten höhere Preise den Umsatz stützen, die Gewinnmargen bleiben jedoch aufgrund der anhaltend niedrigen Auslastung und des hohen Kostendrucks unter Druck. Eine nachhaltige Erholung der Branche ist derzeit nicht in Sicht.

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