Im Rahmen des Projekts „GET H2 Nukleus“ hat erstmals erneuerbar erzeugter Wasserstoff aus dem niedersächsischen Lingen den Chemiepark Marl erreicht. Während der laufenden Inbetriebnahme der Elektrolyseanlagen von RWE wird der Wasserstoff über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE sowie der Evonik-Tochter Syneqt transportiert und dort industriell genutzt.
Mit diesem Schritt arbeiten die zentralen Projektbausteine aus Erzeugung, Transport und Abnahme erstmals erfolgreich im Verbund zusammen. Teile des Projekts werden im Rahmen des IPCEI-Programms „Hy2Infra“ durch den Bund sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gefördert.
Wasserstoff fließt über erste Abschnitte des Kernnetzes
Die eingesetzten Leitungen gehören zu den ersten Bestandteilen des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes. Neben dem Transport des erneuerbaren Energieträgers sollen im Projekt auch zentrale Marktmechanismen wie Netzzugang, Kapazitätsbuchung und Bilanzierung unter realen Betriebsbedingungen erprobt werden. „Mit dem GET H2 Nukleus gehen unsere ersten Wasserstoffleitungen in den Netzbetrieb. Das ist ein wichtiger Schritt für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in der Region und in Deutschland“, sagt Thomas Hüwener, CEO von OGE.
Elektrolyse in Lingen wird schrittweise ausgebaut
RWE nimmt in Lingen bis Ende 2026 Elektrolysekapazitäten von 200 Megawatt in Betrieb. Ab 2027 soll die Gesamtleistung der Anlage 300 Megawatt erreichen. Der erzeugte Wasserstoff erfüllt nach Unternehmensangaben die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO). Dadurch erhalten Abnehmer entsprechende Nachhaltigkeitsnachweise und können den Wasserstoff auf ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen. „Dass zertifiziert erneuerbarer Wasserstoff aus Lingen über Leitungen Marl erreicht, zeigt: Das Zusammenspiel von Elektrolyse, Transportinfrastruktur und Abnahme funktioniert“, betont Nikolaus Valerius, CEO der RWE Generation.
„GET H2 Nukleus“ liefert Erfahrungen für den Markthochlauf
Nach Angaben der Projektpartner zahlt sich die frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Erzeugern, Netzbetreibern und Industrieunternehmen aus. Bereits im Forschungsprojekt „GET H2 TransHyDE“ wurden Prozesse für den späteren Netzbetrieb erprobt. Die jetzt gestartete Praxisphase soll weitere Erkenntnisse für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft liefern. „Durch diesen frühen Start und die konstruktive Zusammenarbeit entstehen wichtige Impulse für die Ausgestaltung des neuen Gesamtsystems“, erklärt Frank Heunemann, Geschäftsführer von Nowega.
Auch für den Chemiepark Marl besitzt das Projekt strategische Bedeutung. Der Wasserstoff steht dort künftig direkt für industrielle Anwendungen zur Verfügung und soll gleichzeitig die Attraktivität des Standorts für weitere Industrieansiedlungen erhöhen.
Wasserstoff-Infrastruktur wird weiter ausgebaut
An das Projekt „GET H2 Nukleus“ schließen weitere Infrastrukturmaßnahmen an. Bereits Ende 2025 haben OGE und Nowega eine neue Leitung zwischen Heek und Epe fertiggestellt, über die künftig ein Wasserstoffspeicher angebunden wird. Dort soll Ende 2026 mit der Befüllung des ersten kommerziellen Wasserstoff-Kavernenspeichers Europas begonnen werden. Darüber hinaus werden bis 2027 weitere Leitungsabschnitte für den Wasserstofftransport umgestellt beziehungsweise neu gebaut. Bereits abgeschlossen ist zudem eine Verbindung zwischen dem Chemiepark Marl und der Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven, die von Syneqt betrieben wird.