Evonik hat im zweiten Quartal 2026 ein positives Finanzergebnis erzielt. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um elf Prozent auf rund 3,9 Milliarden Euro. Höhere Absatzmengen und gestiegene Verkaufspreise trugen gleichermaßen zum Wachstum bei. Zudem hat das Unternehmen ein bereinigtes Ebitda von 630 Millionen Euro erzielt und damit den Vorjahreswert um 24 Prozent übertroffen.
Evonik profitiert von Lieferengpässen im Nahen Osten
Nach Angaben des Chemieunternehmens wirkten sich die Einschränkungen im Schiffsverkehr rund um die Arabische Halbinsel positiv auf einzelne Geschäftsbereiche aus. Vor allem asiatische Wettbewerber hatten Schwierigkeiten bei der Rohstoffversorgung, wodurch Evonik zusätzliche Nachfrage verzeichnete. „Wir freuen uns über einen warmen Sommerregen“, sagt Vorstandsvorsitzender Christian Kullmann. „An den fundamentalen Problemen unserer Branche ändert das allerdings nichts.“
Effizienzprogramm soll Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken
Unabhängig von der aktuellen Geschäftsentwicklung setzt Evonik seinen eingeschlagenen Sparkurs fort. Das Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“ wird verlängert, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu verbessern. Im Zeitraum von 2024 bis 2026 sollen planmäßig 2.800 Stellen abgebaut werden. Seit Jahresbeginn 2026 wurde die Zahl der Beschäftigten bereits um knapp 700 reduziert. Für die Jahre 2027 bis 2029 ist ein weiterer Abbau von rund 3.200 Stellen vorgesehen.
Finanzvorstand Michael Rauch betont zudem die Bedeutung der positiven Geschäftsentwicklung für die finanzielle Stabilität des Konzerns: „Wir wollen unsere Verschuldungskennziffern verbessern für mehr Handlungsspielraum in der Zukunft. Dieses gute Ergebnis hilft uns dabei.“
Advanced Technologies sorgt bei Evonik für kräftiges Wachstum
Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment Advanced Technologies. Der Umsatz erhöhte sich um neun Prozent auf 1,65 Milliarden Euro. Wachstumstreiber waren höhere Absatzmengen in allen Geschäftsbereichen sowie gestiegene Verkaufspreise, insbesondere im Bereich Animal Nutrition. Nach Unternehmensangaben profitierte Animal Nutrition von der angespannten Versorgungslage auf den internationalen Rohstoffmärkten. Auch die Bereiche Organics und Inorganics entwickelten sich positiv. Das bereinigte Ebitda des Segments stieg um 25 Prozent auf 333 Millionen Euro.
Custom Solutions verbessert Umsatz und Ergebnis
Auch das Segment Custom Solutions legte zu. Der Umsatz erhöhte sich im zweiten Quartal um vier Prozent auf 1,42 Milliarden Euro. Höhere Mengen und Verkaufspreise konnten negative Währungseffekte weitgehend ausgleichen. Besonders gefragt waren Additive für Polyurethanschäume, langlebige Konsumgüter sowie Produkte für die Farben- und Beschichtungsindustrie und Öladditive. Das bereinigte Ebitda verbesserte sich um sieben Prozent auf 271 Millionen Euro.
Evonik blickt vorsichtig auf das Marktumfeld
Der Konzern hebt seine Prognose für das Gesamtjahr an und erwartet nun ein bereinigtes Ebitda zwischen zwei Milliarden und 2,2 Milliarden Euro. Trotz der positiven Entwicklung weist Evonik darauf hin, dass die strukturellen Herausforderungen der chemischen Industrie unverändert bestehen. Die aktuelle Nachfrage werde maßgeblich von geopolitischen Sondereffekten beeinflusst. Mit der Kombination aus Effizienzmaßnahmen, höherer Auslastung und einer verbesserten Marktposition sieht sich das Unternehmen jedoch gut aufgestellt.