Skalierung und Einsatz ab 2027 geplant
Röhm investiert in chemisches Recycling für einen geschlossenen Wertstoffkreislauf
Donnerstag, 09. April 2026
| Redaktion
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Chemisches Recycling - Test mit realen Post-Consumer Abfällen: Im Pilotmaßstab wurden alte Auto-Rückleuchten aus PMMA bei Myremono depolymerisiert und am Standort Worms von Röhm zu MMA in Neuwarequalität aufgearbeitet
Test mit realen Post-Consumer Abfällen: Im Pilotmaßstab wurden alte Auto-Rückleuchten aus PMMA bei Myremono depolymerisiert und am Standort Worms von Röhm zu MMA in Neuwarequalität aufgearbeitet, Bild: Röhm

Chemisches Recycling gewinnt in der Kunststoffindustrie zunehmend an Bedeutung, insbesondere für Materialien mit hohen Qualitätsanforderungen. Röhm setzt dabei auf eine neue Technologie, die erstmals im industriellen Maßstab eingesetzt wird. Ziel ist es, Wertstoffkreisläufe zu schließen und den Einsatz fossiler Rohstoffe zu reduzieren. Am Standort Worms integriert Röhm eine selbst entwickelte Technologie in die bestehende MMA-Produktion. Ausgangspunkt ist Polymethylmethacrylat, das durch Depolymerisation wieder in Methylmethacrylat umgewandelt wird. Das Verfahren ermöglicht es, aus gebrauchten Materialien wieder Ausgangsstoffe in Neuwarequalität zu gewinnen. Die Integration in bestehende Anlagen schafft die Voraussetzung für eine skalierbare industrielle Umsetzung.

Chemisches Recycling erzielt hohe Ausbeuten von PMMA

PMMA eignet sich aufgrund seiner chemischen Struktur besonders für das chemische Recycling. Im Depolymerisationsprozess lassen sich Ausbeuten von mehr als 90 Prozent erzielen. Das Material kommt unter anderem in Fahrzeugkomponenten, medizinischen Anwendungen und weiteren industriellen Bereichen zum Einsatz. Die Möglichkeit, diese Anwendungen in einen geschlossenen Kreislauf zu überführen, eröffnet neue Potenziale für Ressourceneffizienz.

Europäische Allianz für geschlossene Materialkreisläufe

Die Umsetzung erfolgt im Rahmen einer europaweiten Initiative, die auf den Aufbau eines geschlossenen Materialkreislaufs abzielt. Mehrere Partner übernehmen dabei unterschiedliche Prozessschritte entlang der Wertschöpfungskette. Gesammelte PMMA-Abfälle werden zunächst sortiert und anschließend zu recyceltem Methylmethacrylat verarbeitet. In Worms erfolgt schließlich die Aufbereitung zu MMA in Neuwarequalität. Durch diese Aufgabenteilung entsteht ein durchgängiger Prozess.

Chemisches Recycling als strategischer Ansatz

Mit der neuen Technologie will Röhm die Rückführung von End-of-Life-Materialien deutlich erhöhen. Gleichzeitig sollen Kunden dabei unterstützt werden, zukünftige regulatorische Anforderungen zu erfüllen. „Mit rMMA schaffen wir einen echten Kreislauf in der PMMA-Wertschöpfungskette“, erklärt Lukas Dössel, Leiter Circular Economy bei Röhm. „Wir können unsere Kunden dabei unterstützen, künftige gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Das ist ein entscheidender Schritt hin zu nachhaltigen Materialströmen in Europa und einer reduzierten Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen.“

Die Nutzung des recycelten Materials ist ab Sommer 2027 vorgesehen. Es soll unter anderem in die Herstellung zirkulärer Produkte einfließen. Die Investition wird durch ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt, das auf Energieeinsparung, Ressourcenschonung und Emissionsreduktion abzielt. „Mit dieser Investition übernehmen wir Verantwortung für eine ressourcenschonende Zukunft. Wir wollen nicht nur Teil des Wandels sein, wir wollen ihn aktiv vorantreiben“, so Lukas Dössel abschließend.

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